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Das Taichi - Haus wurde im Jahre 2000 gegründet. Durch Mithilfe von Freunden gelang es uns, die Räumlichkeiten einer alten Orgelbauwerkstatt in Übungsräume zu verwandeln. Anfangs ein Ort der Übungspraxis entwickelte sich das Taichi Haus in den folgenden Jahren zu einem gern angenommen stillen Ort mitten in Überlingen am Bodensee. Die Lage neben der Jodokkapelle, ein Weg- und Rastort am alten traditionellen Jakobsweg, ergänzt das Bild hin zum Wegverständnis dieser alten Übungsmethoden. Das Taichi - Haus ist ein Ort, an dem Wege alter östlicher Traditionen - T‘ai Chi Ch‘uan oder Taijiquan, Qi Gong, Zazen - mit Methoden westlicher therapeutischer Wege - tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, körperorientierte Psychotherapie, Initiatische Therapie nach K.Graf Dürckheim - ergänzt werden.
Der gesundheitspräventive Aspekt bildet im heutigen Verständnis einen Zugang, östliche Wege zu entdecken und zu praktizieren. Dass diese Übungswege auch Teil einer "spirituellen Entwicklungsschulung" waren und sind, die den Menschen hin zu einem tieferen, ganzheitlichen Verständnis seiner Existenz führen können, wird manchmal dabei vergessen. Im Grunde genommen lassen sich diese Wege kaum im Sinne eines rein funktionalen Verständnisses des Menschen gebrauchen. Diese Übungskulturen sind Wege der Praxis, auf denen sich Verstehen und Verinnerlichung über deren Anwendung bildet. Diese Erfahrungen gilt es in den Alltag zu integrieren. Der scheinbare Unterschied von Übung und Alltag, von „Training und Job“, kann so umgewandelt werden in ein tieferes Verständnis von Leben, welches andere Menschen und die Natur in und um uns als Lebensgrundlage achtet, pflegt und respektiert.
Dass dieses nicht immer möglich und in vielen alltäglichen Situation dieser Anspruch schwer realisierbar ist, sollte uns nicht davon abhalten, an einer Verwirklichung zu arbeiten und „immer wieder von vorne zu beginnen“ - getreu dem Motto: „Getrennt vom Alltag keine Übung, getrennt von der Übung kein Alltag. Alltag ist Übung, Übung ist Alltag“.
Die Praxis von T‘ai Chi Ch‘uan, Qi Gong und Zazen, oder "Ch'an", wie es im Chinesischen heißt, stammt ursprünglich aus dem Umfeld des späteren Taoismus oder, im Falle von Zen, auch aus einer chinesischen Variante des Buddhismus. Ihre Anwendung ist nicht an eine bestimmte Konfession oder Weltanschauung gebunden. Es sind Wege, die der Mensch an sich selbst erfährt, ohne seinen kulturellen - oder auch religiösen Kontext verlassen zu müssen. Wer sich diesen Übungswegen zuwendet, leistet einen Beitrag zu seiner eigenen, wie auch der Gesundheit des sozialen Organismus. Diese Übungsmethoden bieten einen vielfältigen „Fundus“ an, die im westlichen Kulturkreis in dieser Art und Selbstverständlichkeit nicht zu finden sind. Wo im östlichen Kulturkreis lebendige Tradition steht, treten die westlichen Entwürfe des "inneren Weges" z.B. der christlichen Mystiker, heute erstmals in ein breiteres öffentliches Bewusstsein. Westlichhe Mystik übt die Transzendierung "Gottes als Gegenüber". Der Mensch soll ganz im unbenennbaren Einen, im "Hier und Jetzt" aufgehen. Duales und diskursives Denken als einzige Methode der Erkenntnis werden um intuitives Schauen und Erfahren ergänzt, "wie die Dinge sind", ohne unser Hinzutun, Erklärung und Kategorisierung. Hierin gleichen sich unterschiedliche Wegausformungen des Ostens und des Westens. Heute sollte es wohl darum gehen, deren Gemeinsamkeiten zu entdecken, in dem was Menschen seit Alters her als "Urgrund des Seins", als "Namenloses" oder auch "das Göttliche im Menschen" bezeichnet haben. Zwei Zitate verdeutlichen dies. "Und darum sagt Dionysius in dem Buch >Von den göttlichen Namen<, Gott sei ein »Nichtsein« oder ein »Nichts«, und das ist in Bezug auf alles Sein und jedes bestimmte Etwas zu verstehen, das wir ihm nach kreatürlicher Weise zulegen können. Denn »was man ihm in dieser Weise zuschreibt, das ist alles in gewissem Sinn falsch, und seine Verneinung ist wahr«. Und daher könnte man ihn ein »ewiges Nichts« nennen. Andererseits, will man von etwas sprechen, wie erhaben und über alles Verstehen es ist, so muss man ihm irgend einen Namen geben." (Heinrich Seuse) „Ich würde gerne irgendetwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“ (Zen-Meister Ikkyû Sôjun zu einem Verzweifelten) Vielleicht ist dieses "Nichts" das "Alles", das "Er-füllt sein", nach der wir in unserem Leben suchen. Die Einheit des Lebens, die wir, unwissend geworden, überhaupt nie verloren haben, weil wir diese unmittelbar sind. Die (Rück-) Wege dorthin, die "religio", mögen je nach kulturellem Kontext und Konvention verschieden sein. Bestrebung aber ist immer die Erkenntnis der Einheit von Erfahrung und Erfahrendem, ohne dem Postulat der Identität. Wir kennen dazu auch den Aphorismus: "Der Weg ist das Ziel". Zum transzendenten Aspekt des Lebens gehört unbedingt die Individuation, die "Selbstwerdung" des Individuums. Personale Arbeit erweitert und ergänzt also die Übung in diesen alten Wegen hin zum ganzheitlichen Menschen und gehört in diesem Prozess wesentlich mit dazu. So tauchen heute neue Aspekte in der Begegnung mit diesen alten Übungswegen auf. In der Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für traditionelle chinesische Medizin (DGTCM) liegen die Berührungspunkte z.B. in der Integration von T'ai Chi Ch'uan und Qi Gong in den schulmedizinischen Bereich und die Psychotherapie. Alle Unterrichtenden am Taichi Haus haben diese Übungswege selbst bei erfahrenen Lehrern und Meistern gelernt, praktizieren diese zum Teil schon seit Jahrzehnten und geben ihre Erfahrung und ihr Wissen über die Paxis weiter. Es ist uns auch ein Anliegen, weiterführende Möglichkeiten einiger Prinzipien von T'ai Chi Ch'uan und Qi Gong aufzuzeigen und die Vermittlung in künstlerische und schöpferische Arbeits- und Lebensbereiche zu fördern. Hier arbeiten wir u.a. eng mit der - Werkstatt für improvisierte und neue Musik - zusammen welche sich im gleichen Gebäude befindet. Denn letztlich ist es der schöpferische Mensch, welcher den (seinen) Weg geht.
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